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Antikolonialismus und -rassismus

Antikolonialismus und -rassismus in Berlin

Berlin präsentiert sich gerne als internationale, multikulturelle und weltoffene Hauptstadt. Doch Berlin war über 250 Jahre lang eine Kolonialmetropole: Hier fanden 1884/85 die Afrika-Konferenz und 1896 die Kolonialausstellung mit ihrer „Völkerschau“ im Treptower Park statt. Von hier aus wurden die deutschen Kolonien annektiert, verwaltet und regiert, hier planten die Nationalsozialisten ein neues Kolonialreich in Afrika. Diese Geschichte wird heute noch in rassistischen Straßennamen, den Kolonialismus verherrlichenden Denkmälern und Gedenktafeln sowie geraubten Ausstellungsstücken in Museen sichtbar. Für eine nachhaltige und antirassistische Landesentwicklungspolitik ist die kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Geschichte Berlins eine unbedingte Voraussetzung. Dafür setzen sich unter anderen die BER-Mitgliedsgruppen Berlin Postkolonial, die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, glokal sowie AfricAvenir ein.

Antikolonialismus und -rassismus in Deutschland

Berlin braucht daher ein gesamtstädtisches postkoloniales Erinnerungskonzept, wie es schon in anderen Städten auf den Weg gebracht wurde. Zur Orientierung dienen sollte so vor allem das 2014 vom Hamburger Senat vorgelegte, bundesweit erste städtische Konzept zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte.

 

Forderungen des BER

Erstellung eines Dekolonisierungskonzepts für Berlin, v.a. in Zusammenarbeit mit der migrantischen-diasporischen Zivilgesellschaft und der Partnerstadt Windhoek

Ein stadtweites Erinnerungskonzept zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Berlins nach dem Vorbild konkretisiert den Beschluss "Verantwortung für die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika wahrnehmen – gemeinsame Aktivitäten mit der Partnerstadt Windhoek fördern" im Berliner Abgeordnetenhaus, der auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 2004 verabschiedet wurde. Für die Erstellung des Konzepts und dessen Umsetzung müssen die dafür nötigen Personal- und Sachmittel bereitgestellt werden. Die im Jahr 2000 ins Leben gerufene Städtepartnerschaft mit der namibischen Hauptstadt Windhoek muss in das Erinnerungskonzept eingebunden und dadurch mit Leben gefüllt werden.

Kommentierung und Umbenennung von Straßen, die nach Kolonialverbrechern benannt sind, sowie der „Mohrenstraße“, und Schaffung eines Mahnmals für die Opfer von Kolonialismus

Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurde 2010 das Gröbenufer in May-Ayim-Ufer umbenannt. Mit der Umbenennung wurde in Deutschland erstmals eine Perspektivumkehr vollzogen: Statt eines Kolonialakteurs wird einer Aktivistin gegen Kolonialismus und Rassismus gedacht.

Der BER hat (zusammen mit AfricAvenir International, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Internationale Liga für Menschenrechte, Projekt "Unterm Teppich?", Tanzania-Network.de, Uwatab und Werkstatt der Kulturen) ein Dossier über Straßennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin herausgegeben, in dem sich 70 solcher Straßen und Plätze finden. Bei all diesen Straßen sollte auf ihren kolonialen Kontext verwiesen werden, etwa durch Erklärungsschilder. In besonders eklatanten Fällen, speziell dort, wo „Kolonial­pioniere", wie beispielsweise Hermann von Wissmann, geehrt oder rassistische Begriffe, wie im Falle der Mohrenstraße, verwendet werden, sind Umbenennungen unumgänglich.

Antirassismus-Trainings in allen Landeseinrichtungen

Der BER setzt sich seit Jahren mit dem Thema Rassismus in der Entwicklungspolitik auseinander, um Veränderungen in der entwicklungspolitischen Szene zu befördern. Der BER führt regelmäßige Antirassismustrainings durch und hat auch bereits einige Broschüren (Develop-mental Turn, Wer andern einen Brunnen gräbt...) herausgegeben, die zu einer antirassistischen Entwicklungspolitik beitragen. Antirassismusarbeit sollte in allen Landeseinrichtungen gefördert werden.

Offenlegung des Erwerbs von außereuropäischen Kulturschätzen und menschlichen Gebeinen in den staatlichen Museen und Dialog mit den Herkunftsgesellschaften über deren Rückgabe

In nahezu allen Berliner Museen werden Objekte aus der Kolonialzeit ausgestellt und sind oft unzureichend kommentiert (das Riesen-Dinosaurier-Skelett aus Tansania im Naturkundemuseum, die Nofretete im Ägyptischen Museum, die Benin-Bronze im Ethnologischen Museum, Militaria und Kolonialbilder im DHM, etc.). Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich lagern zusätzlich ca. 500.000 Kulturobjekte und knapp 10.000 menschliche Gebeine aus dem Globalen Süden in den Depots der Staatlichen Museen zu Berlin und in der Charité. Die betreffenden Landeseinrichtungen müssen umfassend die Herkunft und Erwerbsumstände ihrer Bestände erforschen und aktiv für deren Rückgabe sorgen.

erstellt von Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER) zuletzt verändert: 31.03.2015 14:05
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER e.V.)
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