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Wirkt so. Handreichung zur Wirkungsorientierung. Vorwort BER

Vorwort des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlags (BER)

wirktso.jpgDie Broschüre (Dezember 2010) hat 92 Seiten und enthält zahlreiche Farbabbildungen.

Bezug: E-Mail mit Name und Postadresse sowie gewünschter Anzahl an buero[ät]ber-ev.de senden. Schutzgebühr: 10 EUR zzgl. Versandkosten (Rechnung wird mitgeschickt)

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Vorwort des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlags

„Wirkt so.“ – oder doch besser „So wirkt´s“? Diese Frage haben wir uns bis kurz vor Drucklegung gestellt. Der Arbeitstitel war zunächst „So wirkt´s“. Darin sahen wir genau das auf den Punkt gebracht, was wir mit dieser Handreichung bezwecken: Das Konzept der Wirkungsorientierung systematisch auf die Inlandsarbeit übertragen und dies in einer Art und Weise, die möglichst praxisnah und leicht verständlich ist und die entwicklungspolitischen Organisationen unterstützt, in ihrer Projektplanung noch klarer und besser zu werden – und damit letztlich auch bessere Projekte zu machen.

Doch im Laufe der Erstellung wurde uns Stück für Stück deutlich, dass dies ein schwieriges Unterfangen ist, bei dem es zudem wenig Vorarbeiten gibt, auf die wir hätten aufbauen können. Und uns wurde klar, dass die Methodik der Wirkungsorientierung zu linear und schematisch ist, um alle Ebenen der komplexen entwicklungspolitischen Inlandsarbeit, die ja letztlich zum Großteil Bildungsarbeit ist, abzubilden. So wurde aus dem affirmativen „So wirkt´s“ das etwas skeptischere und leicht augenzwinkernde „Wirkt so.“.

Klar ist: Wenn die Geldgeber mehr Wirkungsorientierung wollen – was wir grundsätzlich für sinnvoll halten – müssen sie auch zu einer Änderung ihrer Förderpraxis bereit sein. Es sollte weniger auf Quantität und Masse (etwa bei TeilnehmerInnen- und Veranstaltungszahlen) Wert gelegt werden als auf Qualität und Wirkung. Dafür müssen manchmal auch Vorprojekte und Vorstudien finanziert werden. Zudem erreichen Projekte mit der Wirkungsorientierung und weiteren steigenden Qualitätsanforderungen ein Komplexitätsniveau, das sich teils nur noch mit Hauptamtlichen bewältigen lässt. Für all das müssen zukünftig Mittel beantragt werden können, wenn die Geldgeber nicht die personelle und finanzielle Verantwortung der Umstellung auf Wirkungsorientierung auf die Nichtregierungsorganisationen (NRO) abwälzen wollen – was für diese nicht akzeptabel wäre und überdies von den meisten NRO auch nicht geleistet werden kann.

Generell sollte Wirkungsorientierung eher als ein Grundanspruch, eine Zielrichtung verstanden werden – nicht als ein starres Konzept. Planungsinstrumente wie etwa Wirkungsketten sind hilfreich, um die Wirkungen im eigenen Projekt in den Blick zu bekommen. Es soll daraus aber keine Wissenschaft gemacht werden. Sie bleiben Hilfsmittel, welche die eigene Arbeit unterstützen und nicht zum Selbstzweck mutieren sollen. Auch bei der Wirkungsorientierung muss – ähnlich wie bei Evaluationen – der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zum Gesamtprojekt und -budget stehen.

Wir sind uns bewusst, dass manche NRO über die Einführung der Wirkungsorientierung nicht begeistert sein werden, sondern sie als weitere bürokratische Hürde in der Antragstellung wahrnehmen werden. Da wir jedoch davon überzeugt sind, dass sich die staatliche und private Finanzierung der Entwicklungspolitik langfristig nur durch hohe Qualität sichern und ausbauen lässt, möchten wir mit dieser Handreichung einen Beitrag dazu leisten, der die NRO-Perspektive kennt und berücksichtigt. NRO werden sich der Wirkungsorientierung in absehbarer Zeit ohnehin kaum verweigern können, da die meisten Geldgeber sie jetzt schon in ihre Förderpolitik zu integrieren beginnen. Und das wird Folgen haben. Wenn Andreas Rosen in seinem Einleitungsartikel schreibt, dass „der sich verändernde Blickwinkel nicht zum Entscheidungskriterium für die Bewilligung oder Ablehnung von Projekten wird“, so erscheint dies unrealistisch. Bei der Mehrheit der Geldgeber wird passieren, was logischerweise passieren muss: Einmal formulierte Anforderungen werden zu Standards und damit zu Bewertungskriterien – und dementsprechend auch zu Ausschlusskriterien.

Dies macht deutlich: Die Zusammenarbeit vom BER als Landesnetzwerk entwicklungspolitischer NRO mit einer Förderinstitution wie der Stiftung Nord-Süd-Brücken verläuft bei so einem Thema nicht immer konfliktfrei. Die unterschiedlichen Rollen bringen unterschiedliche Blickwinkel mit sich, die nicht immer leicht zu vereinbaren sind. Aber gerade deswegen fanden wir es sinnvoll, diese Handreichung zusammen mit der Stiftung zu erarbeiten. In Diskussionen und Auseinandersetzungen ist eine Broschüre entstanden, die beide Standpunkte reflektiert und beinhaltet – und die hoffentlich für NRO wie andere Geldgeber hilfreiche Denkanstöße und Werkzeuge liefert.

Armin Massing, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag

erstellt von Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER) zuletzt verändert: 25.08.2012 18:32
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER e.V.)
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